Historische Informationstafel für Siegfried Lenz

Siegfried Lenz Gedenktafel vor dem Haus Tremsbütteler Weg Nr. 7 Siegfried Lenz ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Vom 23. Mai 1946 bis zum 6. April 1949 wohnte er in Bargteheide im Haus Tremsbütteler Weg 7 bei Familie Schulz. Nun wurde eine Gedenktafel für ihn vor diesem Haus aufgestellt. Ein Jahr nach seinem Tod soll Siegfried Lenz auch in Bargteheide seine Anerkennung finden und die Erinnerung daran wachgehalten werden, dass er hier gewirkt hat und von hier seine ersten Schritte nach dem Krieg gemacht hat. 

In den Biografien und kurzen Lebensbeschreibungen werden Lenz' Jahre selten erwähnt. Seine Anfänge nach dem Krieg werden in den meisten Fällen in Hamburg verortet: So heißt es: „Nachdem er aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, ging er nach Hamburg und studierte Philosophie, Anglistik und deutsche Literaturgeschichte.“

Dies ist umso erstaunlicher, als er doch als junger Mann mit 20 Jahren - kriegstraumatisiert und entwurzelt als Einzelperson ohne familiäre Bindung - bei Familie Schulz in Bargteheide einen Heimat- und wohl auch Familienersatz gefunden hatte. Durch einen guten Kontakt zum gleichaltrigen Sohn Fritz, der sein Architekturstudium begann und, wie Zeitzeugen berichten, durch die Integration in den Bargteheider Sportverein, hatte darüber hinaus das eigene Zimmer einen absoluten Wert und bot Zeit und Raum zum Denken und zur Reflektion der eigenen Kriegserlebnisse. Dass diese für ihn prägend waren, zeigt die sich immer neu artikulierende Verarbeitung in seinem Werk.

Die Dachkammer im Tremsbütteler Weg Nr. 7 bot die Möglichkeit, eine neue Perspektive zu finden und legte damit die Grundlage für seine bald einsetzende erfolgreiche schriftstellerische Karriere.

Einem Interview, das Martina Tabel 2011 mit Siegfried Lenz geführt hat, verdanken wir die persönlichen Aussagen zu seiner damaligen Unterkunft in Bargteheide. Er sagt darin: „Ich war Dolmetscher bei einer englischen Entlassungseinheit, Sixty-Six Control Unit. Als wir nach Bargteheide kamen, suchten wir nach einer Möglichkeit unsere Wäsche zu wechseln. Da hielten wir vor dem Haus Tremsbütteler Weg 7, bei Familie Schulz, die mir auf sehr liebenswerte Weise half. Als ich dann später studierte, versuchte ich in Hamburg ein Zimmer zu kriegen. Aber das war unmöglich. Die Stadt war zu 60 bis 70 Prozent kaputt. Da erinnerte ich mich an die Liebenswürdigkeit der Familie Schulz und fragte, ob ich dort unterkommen könnte. Das wurde mir zugestanden. … Ich bekam ein Zimmerchen unter dem Dach und fuhr dann jeden Morgen um 6.55 Uhr mit dem Zug nach Hamburg…. Es stand ein großes Bett darin. Und ein kleiner Tisch, ein Schreibtisch. Es war ein kleines Zimmer, aber immerhin.“ (Hamburger Abendblatt, 17.03.2011)

Siegfried Lenz hielt Kontakt zu Bargteheide. 1968 war er zu einer Lesung des Kulturring Bargteheide e.V. Ein Foto zeigt ihn mit Edith Nothdorf, der Begründerin der Musikalischen Früherziehung und Fritz Schulz, dem gleichaltrigen Sohn der Familie Schulz. Auf Bargteheide nimmt er in zwei seiner Werke Bezug. Die Erzählung „Waldgänge“ ist eine ironische Selbstreflexion und erschien 1969 in Hamburg. Zum 125jährigen Jubiläum wurden Freunde der „Buchhandlung am Jungfernstieg“ aufgefordert, ihr persönliches Verhältnis zu einem besonderen Buch zu verschriftlichen. Siegfried Lenz suchte sich den amerikanischen Schriftsteller Henry David Thoreau und sein Buch „Walden“ aus, in dem dieser eine alternative und selbsteinschränkende Lebensweise in den Wäldern beschreibt. Bei Lenz heißt es: „… ich suchte nach einem geeigneten Platz, um sein Lebensexperiment zu wiederholen. Ich brauchte einen Wald, ich brauchte einen Fluß, eine Axt, um dicht neben dem Wasser eine Hütte zu bauen. Der kleine Wald neben der Badeanstalt von Bargteheide erwies sich als ungeeignet, vor allem als zu durchsichtig… Ich entschloss mich, Thoreaus Lebensexperiment in einem Wald zwischen Bargteheide und Tremsbüttel zu wiederholen; dort hatte ich oft gesessen und in „Walden“ gelesen, es gab dort wilde Erdbeeren und Brombeeren, in der Nähe befand sich außerdem ein Steckrübenfeld. Die notwendige Axt lieh ich mir von meiner Wirtin, bei der ich als Student wohnte.“ (Bücher und Zeiten, 125 Jahre Buchhandlung am Jungfernstieg, 1969, S. 39)

Im Spätwerk, noch 2009, benennt er seinen einstigen Wohnort in der Novelle „Landesbühne“ als „ein verheißungsvoller Orte namens Bargteheide.“

Die Anregung zur Aufstellung kam von Frau Japke Ella van Tuinen, ehemalige Oberstudienrätin u.a. für Deutsch am Gymnasium Eckhorst und wurde als Wunsch an den Bürgermeister herangetragen.
Die Stadt bedankt sich bei den Personen, die bei der Aufstellung der Tafel mitgewirkt haben: Frau Lore Schulz und ihren Töchtern Frau Kirbach und Frau Schüler, die erlaubt haben, diese Tafel in ihrem Vorgarten zu präsentieren. 

In Zusammenarbeit des Stadtarchivs mit dem Verschönerungsverein Bargteheide e.V, mit Herrn Klaus Griese und Herrn Klaus Anderesen erfolgte die Einigung, dass die Tafel den bisher vom Verschönerungsverein aufgestellten Tafeln entsprechen sollte. Herr Uwe Schildmeier zeichnete das Haus nach einer Foto-Vorlage von ca. 1950 und einer Bauzeichnung von 1964. Das Foto von Siegfried Lenz stellte das Literaturarchiv in Marbach zur Verfügung. Die grafische Gestaltung der Tafel übernahm Herr Günther Bock.

Es zeigt sich, dass auch große Geschichte und Kultur in Bargteheide ihre Verwurzelung haben.

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