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Datum: 10.02.2026

Oté la mer - Watt fürs Leben

Von Korallenriffen und Meeresschildkröten bis hin zu Vulkanlandschaften und exotischen Talkesseln: Das Erasmus+-Projekt „Oté la mer – Watt fürs Leben“ führte eine Schülergruppe des Kopernikus Gymnasiums Bargteheide im September 2025 auf die französische Überseeinsel La Réunion zur Partnerschule Lycée Roland Garros. Zwei Wochen lang standen ökologische Zusammenhänge, interkultureller Austausch und gemeinsames Lernen angelehnt an die UN-Nachhaltigkeitsziele im Mittelpunkt.

„Lernen mit allen Sinnen“ ist wohl der richtige Ausdruck für das, was die 15 Schülerinnen und Schüler des 11. und 12. Jahrgangs nach 14 Flugstunden zwei Wochen lang erleben dürfen. Hier duftet es nach Vanille, die in der Sonne getrocknet wird, dort nach Zimt, wenn man die Blätter des Zimtbaums zwischen Daumen und Zeigefinger reibt. Im Hinterhof köchelt auf einem Holzfeuer ein großer Eisentopf mit cari poulet, am Strand und auf Waldlichtungen werden fröhliche kreolische Picknicks veranstaltet. Über den Hindu-Tempeln steigt der Rauch von Räucherstäbchen auf. Die Wellen brechen in der Ferne am Korallenriff und laufen auf dem feinen weißen Sand knisternd aus. Endemische Vogelarten zwitschern in allen Tonlagen von den tropischen Bäumen herunter, wenn man verschlungene Bergpfade nimmt, die an einer Schlucht enden, in die ein Wasserfall mehrere hundert Meter in die Tiefe rauscht.

Gruppe im Centre Jacques Tessier
Gruppe im Centre Jacques Tessier


Ein ökologisches und kulturelles Paradies, das man bewahren möchte. Zumindest das, was noch davon übrig ist. Und so ging es in dem Ökologie- und Nachhaltigkeitsprojekt „Oté la mer – Watt fürs Leben“ nicht nur um das Er-leben, sondern auch um die Frage, wie das Über-leben für viele Arten gesichert werden kann.
„Wir konnten der deutsch-französischen Schülergruppe durch wertvolle Kooperationen mit NGOs, gemeinnützigen Vereinen und Biologen vor Ort ein vielseitiges und praxisnahes Programm ermöglichen. Am Ende haben wir alle begriffen: Es ist zwar fünf vor zwölf – vielleicht sogar schon später – aber das darf uns nicht davon abhalten, etwas gegen den negativen Trend zu tun. Und das ist in allen Bereichen möglich, denn nicht nur direkter Umweltschutz, sondern auch, wie Menschen miteinander umgehen, wie gerecht das System ist, hängt am Ende mit einer nachhaltig gesunden Umwelt zusammen“, erklärt Kathrin Anders, Französischlehrerin am Kopernikus Gymnasium Bargteheide, die zusammen mit ihrer Biologiekollegin Sabine Storch das Erasmus+-Projekt begleitete.
Beim Besuch der Ausstellung der TAAF (Terres australes et antarctiques françaises) erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die einzigartige Flora und Fauna der französischen Süd- und Antarktisgebiete. Die TAAF sowie das umliegende Meeresgebiet stehen unter strengem Naturschutz. Trotzdem findet z.B. illegaler Fischfang durch andere Länder statt.
Einmalig war der Besuch der NGO AFEMAR – Femmes des pêcheurs, die ursprünglich als Netzwerk für Fischerfrauen gegründet wurde. Heute ist der Verein ein sozialer und kultureller Treffpunkt im Fischerviertel Terre-Sainte der Küstenstadt Saint-Pierre. Neben Gesprächen über die Lebensrealität der verschiedenen Generationen stand ein gemeinsamer Kochabend auf dem Programm – ein lebendiger Austausch, der Kultur und Geschichte miteinander verband.
Ein besonderer Höhepunkt waren die gemeinsamen deutsch-französischen Tage in der Begegnungsstätte Centre Jacques Tessier mit rund 40 Schülerinnen und Schülern – direkt am Strand von Saline les Bains. Neben teamstärkenden Aktivitäten standen dort vor allem ökologische Themen im Fokus. In Workshops mit den Meeresbiologen des Vereins KOSA lernten die Teilnehmenden Neues über Korallenriffe und die Diversität verschiedener Meeresökosysteme. Beim Schnorcheln konnten sie die Artenvielfalt des Riffs, aber auch die weit fortgeschrittene Korallenbleiche hautnah erleben.
Ergänzt wurde das Programm mit einem Workshop der NGO Globice, die sich dem Schutz von Walen und Delfinen widmet. Mithilfe von Tonaufnahmen, Karten und Bildern wurden Forschungsergebnisse und Gefährdungen dieser beeindruckenden Meeressäuger anschaulich vermittelt.

Strandszene in Saline les Bains_Centre Jacques Tessier
Strandszene in Saline les Bains_Centre Jacques Tessier


Zum Abschluss der ersten Projektwoche besuchte die Gruppe die Meeresschildkrötenstation Kélonia in St. Leu. Dort erfuhren die Teilnehmenden, wie wichtig der Schutz der Küsten und die Renaturalisierung von Stränden für das Überleben der Tiere sind. Besonders eindrucksvoll war die Arbeit mit verletzten Schildkröten und der Einsatz der Station für bedrohte Arten.
Die Zukunftswerkstatt am Lycée Roland Garros leitete die zweite Projektwoche ein. Vor dem Hintergrund der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung erarbeiteten die Jugendlichen zunächst Utopien als mögliche Lösungen von Problemen. In der anschließenden Verwirklichungsphase fanden sie Kompromisse, die es ihnen ermöglichten, ihre utopischen Projektpläne in der Realität umzusetzen. Dabei entstanden unterschiedliche Projekte, die sie nach Beendigung der Reise in ihren Schulen ins Leben riefen. Der Fokus lag dabei nicht nur auf dem Ziel „Maßnahmen zum Klimaschutz“, sondern auf verschiedenen Zielkategorien wie „verantwortungsvoller Konsum“, „Gleichberechtigung der Geschlechter“ oder „Frieden und Gerechtigkeit“.
Neben fachlichen Aspekten spielte auch der interkulturelle Austausch eine zentrale Rolle. Die Unterbringung in Gastfamilien, die gemeinsame Projektarbeit und Präsentationen förderten Sprachkompetenz, Selbstständigkeit und soziale Verantwortung.